Für Leseratten

Michael Petzel: Karl-May-Filmbuch

Karl-May-Verlag BambergIn der Buchhandlung bin ich hängen geblieben. Geschmökert, weggegangen, zurückgekehrt und so ging das hin und her. Mit etwas um 50,- DM kam mir das Buch teuer vor, aber gemessen am Aufwand beim akribischen Zusammentragen all der Informationen ist der Preis allemal gerechtfertigt.
Ich gehörte zu den Jugendlichen, bei denen der Bravo-Starschnitt von Old Shatterhand an der Wand klebte. Und Lex Barker war immerhin 1,98 m groß. Es dauerte lang, bis er vollständig hing.
Es macht einfach Spaß die Fotos zu schauen, die Besetzungslisten zu lesen, der Blick hinter die Kulissen und all die statistischen Angaben zu bestaunen. Umsomehr, wenn man den Sommerurlaub im ehemaligen Jugoslawien, dem Drehort vieler Karl May Filme, verbracht hat.

Leseprobe

Unsere jugoslawischen Indianer hatten keine Ahnung, was ein echter Indianer war, und waren noch nie in ihrem Leben in einem Kino gewesen. Mit ihren dunklen Ledergesichtern gaben sie trotzdem ideale Indianerdarsteller ab, und man staunt, wie echt sie im Film wirken.

Die Honorare unserer Jugendhelden für "Der Schatz im Silbersee": Lex Barker 120.000,- DM und Pierre Brice 42.000,- DM. Schimanski alias Götz George bekam 40.000,- DM


Frank Schätzing: Lautlos

Emons VerlagNever judge a book by the cover. Der fade Umschlag reizt nicht zum Kauf. So war es auch bei mir, ich bekam es geschenkt und einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul. Aber was bezahlt ist, muß gelesen werden. Das ist wohl genetisch bedingt.
Die Geschichte spielt am Köln/Bonner Flughafen während des Umbaus. Hoher Besuch ist angekündigt. Eingebaut ist das Ganze in den G8 Gipfel in Köln im Juni 1999. Natürlich mit Lokalkolorit, aber auch Nichtrheinländer habe ihre Freude an den 608 eng beschriebenen Seiten. Spannend mit überraschenden Wendungen.

Leseprobe

Dann sind wir im Geschäft. Die Leute, die mich beauftragt haben, gehen davon aus, daß Sie sich die Sache sehr genau überlegen. Ich habe ihnen gesagt, daß Sie es unter fünfundzwanzig Millionen nicht machen. Das haben sie geschluckt. Sie denken nun, wir müßten alles unternehmen, um Sie für das Projekt zu gewinnen, obwohl ihnen dabei nicht ganz geheuer ist. Wie sehr Sie selbst an den fünfundzwanzig Millionen interessiert sind, habe ich natürlich vergessen zu erwähnen.

Anders als bei Günther Jauch und seiner Millionärssendung geht es hier richtig um Kohle. Bloß was muß dafür getan werden?


Nelson DeMille: Goldküste

Goldmann TB Nr. 44579Spritzig und frech ist dieser Roman geschrieben. Sicherlich weist die Story keine großen Überraschungseffekte auf nach der Devise "whodunit", aber die Dialoge sind flott und schlagfertig. Wer für diesen Sinn von Humor etwas übrig hat, ist bei DeMille gut aufgehoben. Im Kern geht es um einen Doppelmord, einen Piratenschatz, biologische Waffen, Wein und zum Showdown wird ein Hurrikan aufgeboten. Es ist mein Erstling von diesem Autor und ich hoffe, daß seine anderen Bücher im gleichen selbstironischen Stil geschrieben sind. Dann ist spannende Unterhaltung an langen Winterabenden jedenfalls garantiert.

Leseprobe

Beth Penrose war klug genug, jetzt den Mund zu halten.

Meiner Ansicht nach wurde sie den einzigartigen Umständen dieses Falls durch ihr Beharren auf den Vorschriften für Ermittlungen in Mordsachen nicht ganz gerecht. Aber ich mußte anerkennen, daß sie alles richtig zu machen versuchte. Hätte sie zur Besatzung der Titanic gehört, hätte sie Schwimmwesten nur gegen Unterschrift ausgegeben.

Diese Art Charme ist für die Hauptfigur, Kriminalkommissar John Corey aus New York, bezeichnend.


Eric Ambler: Schmutzige Geschichte

detebe TB Nr. 20537Diesen Klassiker an Schriftsteller habe ich noch einmal neu entdeckt. Die Geschichte führt den Pseudo-Helden, Arthur Abdel Simpson, von Griechenland über Dschibuti in imaginäre afrikanische Länder. Simpson ist als Figur besser bekannt aus "Topkapi". Im Film verkörperte Sir Peter Ustinov (damals noch nicht bei der EXPO engagiert) diesen Helden. So sieht man beim Lesen unweigerlich Ustinov vor sich. Flott und ironisch geschrieben, als Urlaubslektüre gerade richtig und kurzweilig. Das gilt aber auch für andere Thriller von Eric Ambler.

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Das Hotel war heruntergekommen, und das Wasser, das aus dem Hahn kam, war brackig, aber der Abfluß schien zu funktionieren; der Armenier besaß nicht nur eine DDT-Sprühdose, sondern auch eine Fliegenklatsche, und im Haus roch es einigermaßen sauber.

Das war am Montag. Am Mittwoch zogen wir ein.

Am Samstag begegnete mir das Schicksal in der Person von Jean-Baptiste Kinck.

Was das Schicksal für Simpson brachte, wird hier nicht weiter verraten.


Léo Malet: Kein Ticket für den Tod - Krimi aus Paris

rororo TB Nr. 12890Der Zyklus der Kriminalromane um den Privatdetektiv Nestor Burma - mit der reizvollen Idee, jede Folge in einem anderen Pariser Arrondissement spielen zu lassen - ist bei Krimiliebhabern Legende. Burma verkörpert den spöttischen, eigenbrötlerischen und augenzwinkernden Privatflic, der durch die Gassen streift und sein "demi" im nächsten Bistro trinkt. Die Krimis sind immer mit einem Schuß schwarzen Humors durchtränkt und wer solcherlei Unterhaltung liebt ist bei Burma, seiner Sekretärin Héléne und dem hauptamtlichen Kommissar Florimond Faroux vom Quay des Orfèvres gut aufgehoben.

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Es ist Mai. Anfang Mai. Seit dem Morgen steht Paris unter schottischer Dusche: ein Sonnenstrahl, ein Schauer. Manchmal sogar Sonne und Regen gleichzeitig, für die Freunde gemischter Kost. Jetzt hat es schon gestoppte zwanzig Minuten nicht mehr geregnet. Das kann nicht gutgehen. Und es geht auch nicht gut.

Ich fahre um die Säule des 14. Juli an der Bastille herum und biege in die Rue de Lyon ein. Da fängt`s wieder an zu schütten. Von der Windschutzscheibe laufen Sturzbäche. Die Tropfen hämmern auf das Autodach. Der Scheibenwischer hat alle Hände voll zu tun. Wir summen zusammen: C'est le mois de Marie, c'est le mois le plus beau, ouvre ton paraluie, il va tomber de l'eau.

Vor mir erhebt sich der Turm der Gare de Lyon. Seine riesige Uhr beherrscht die ganze Gegend. Scheint diejenigen, die zu spät dran sind, vorwurfsvoll anzusehen. Aber ich bin nicht zu spät dran. Auf der Bahnhofsuhr ist es siebzehn Uhr vierzig, auf meiner zwanzig vor sechs. Der Zug, auf den ich warte, soll um achtzehn Uhr fünf einlaufen.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und wissen will, wie es in diesem Krimi auf dem Gare de Lyon weitergeht, der kann direkt online bestellen. Einige Stunden Lesevergnügen sind garantiert.


Jack Ritchie: Der Sparschweinkiller - Geschichten

detebe TB Nr. 22840 Leseprobe
Es ist nicht so, daß ich dich loswerden möchte, Ken", sagte meine Mutter. " Aber warum heiratest du nicht endlich? Ich würde so gerne das fröhliche Kinderlachen meiner Enkel hören."
Ich trank meine letzte Tasse Frühstückskaffee und behielt die Uhr im Auge. "Na schön, wie wär's mit morgen? Oder ist das der Tag, an dem du bügelst?"
"Das kann ich immer einen oder zwei Tage aufschieben."
"Und was das Thema Enkelkinder angeht",sagte ich, " so hast du schon fünf. Nimmst du an irgendeinem Wettbewerb teil, oder was?"
"Du bist nun mal das einzige meiner Kinder, das rote Haare hat. Ich würde so gern wissen, ob sich das vererbt oder nicht."

Wer wissen will, ob und wie sich das Haarproblem löst muß zum nächsten Buchladen wandeln.